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Hesselbach

Das kleine, abseits gelegene und ringsum von Wäldern eingeschlossene Hesselbach war in früheren Jahrhunderten ein bekannter und vielbesuchter Wallfahrtsort. Der Stadtteil liegt auf einem Hochplateau (ca. 500 m über NN). Als Kaiser Heinrich II. 1011 dem Bistum Worms den Wildbann östlich vom Euter- und Itterbach schenkte, war dieses Gebiet eine kaum erschlossene Waldmark. Mitte des 11. Jahrhunderts konnte das Kloster Amorbach den Wormser Besitz erwerben. Man darf jedoch nicht davon ausgehen, dass dies der Beginn einer Besiedlung in Hesselbach war. Urkundlich wurde Hessenbach erstmals am 13. November 1334 genannt, als Irmengard von Auerbach (Elztal) ihren Anteil am Wolzin-Gut in Hesselbach dem Kloster Amorbach verkaufte.

Im Mittelalter wurde der kleine Ort durch seine bei Augenleiden, Kopf- und Kindererkrankungen als heilkräftig angesehene Quelle weithin bekannt. Benediktinermönche erbauten um 1400 über der Quelle eine kleine Kapelle und weihten sie der Heiligen Odilia. Diese, im Jahre 620 blind geborene Tochter des elsässischen Herzogs Eticho, soll durch die Taufe sehend geworden sein. Sie galt fortan als Schutzpatronin für Augenleiden. Kapelle und Quelle wurden Ziel zahlreicher Wallfahrten, die am dritten Sonntag nach Pfingsten, dem Kirchenweihtag und am 13. Dezember, dem Gedenktag der Heiligen Luzia, ebenfalls Schutzpatronin von Hesselbach, ihren Höhepunkt fanden. Die Hl. Luzia soll um Christi willen ihre Augen geopfert haben und fand 303 in ihrer Heimatstadt Syrakus den Märtyrertod.

Bedingt durch seine Zugehörigkeit zum Kloster Amorbach blieb Hesselbach während der Reformation im Gegensatz zu allen anderen Dörfern der Grafschaft Erbach katholisch. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort nahezu ausgerottet und lag lange Zeit wüst. Erst nach den Kriegswirren erfolgte ein langsamer Neuaufbau. 1803 wurde Hesselbach in der Nachfolge vom Kloster Amorbach dem Fürstentum Leiningen zugeordnet, bevor es 1806 in das Großherzogtum Hessen eingegliedert wurde. Da nach Aufhebung der Leibeigenschaft jeder für sich selbst sorgen musste, führte die Erwerbslosigkeit bei der Hesselbacher Bevölkerung in Verbindung mit einem drastischen Anstieg unehelicher Geburten zu einem soziale Elend.

In der Umgebung sind verschiedene Fundstellen/Überreste des Odenwaldlimes, der über den Höhenrücken verlief, auffindbar (früheres Kastell Hesselbach, verschiedene Turmreste, rekonstruierte Wachtürme mit Pallisadenzaun).

In der Ortsmitte von Hesselbach befindet sich die katholische Pfarrkirche St. Luzia und St. Odilia, die in der heutigen Form vor ca. 230 Jahren als Nachfolgerin einer kleineren Kapelle erbaut wurde. In den 90er Jahren wurde der Kirche ein Gemeindezentrum angegliedert sowie eine grundlegende Außen- und Innenrenovierung vorgenommen. Letztere wurde 1997 abgeschlossen.

Im Stadtteil Hesselbach befindet sich der Dreiländerstein, der die zusammentreffenden Grenzen der Bundesländer Hessen, Bayern und Baden-Württemberg markiert. Er ist vom Ort aus über einen markierten Wanderweg zu erreichen. Der Nibelungensteig von Zwingenberg/Bergstraße nach Freudenberg/Main führt dort ebenfalls unmittelbar vorbei.
Am Brandweiher in der Ortsmitte steht eine Wandertafel des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald mit mehreren Vorschlägen für Wanderungen rund um Hesselbach.

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